Wissenswertes

13.10.2016

Best Practice Azubi-Recruiting: spielend anders Talente gewinnen

Ein Interview mit Ruth Berg, Ausbildungsleiterin bei Handtmann Service GmbH & Co. KG


In unserem heutigen Interview schauen wir sprichwörtlich über den Tellerrand. Und das mehrfach.

Wagen Sie mit uns einen Blick auf ein zukunfts- und wachstumsorientiertes Thema: Junge Talente gewinnen.

Dafür gibt es mehrere gute Gründe:

  • Junge Menschen und Talente sind die Wertschöpfer von morgen
  • Sie sichern den Fachkräftebedarf der Zukunft
  • Und leisten in allen Bereichen der Wirtschaft einen wertvollen Wachstumsbeitrag

In diesem Beitrag konzentrieren wir uns auf den Bereich der beruflichen Ausbildung.

Dabei hilft uns Frau Ruth Berg, Ausbildungsleiterin bei einem erfolgreichen und innovativen Mittelständler – der Firma Handtmann Service GmbH & Co. KG. Gleichzeitig ist sie Autorin des Berufsorientierungsspiels Ludoki® Young Talents. Ihre Leidenschaft ist es, junge Menschen auf Ihrem Weg in den Beruf zu begleiten.

Frau Berg, „Ideen mit Zukunft“ ist nicht nur der Slogan des Unternehmens für das Sie arbeiten. Ihre Methoden im Azubi-Recruiting sind ebenfalls außergewöhnlich. Was macht Handtmann anders und besonders und warum?

Wir sind ein familiengeführtes Unternehmen bei dem Werte wie z.B. Zusammenarbeit und Fairness eine große Rolle spielen. Diese Werte werden durch und durch gelebt und stellen den Mensch in den Mittelpunkt unseres Tuns. Unsere Innovationen sichern uns die Stellung am Markt und die Suche nach neuen Ideen ist unser Antrieb.

Was treibt Sie persönlich an, neue Wege zu beschreiten? 

Ich bin ein sehr neugieriger Mensch! Ich verlasse gerne eingetretene Pfade um – vielleicht auf der Autobahn oder auch auf Umwegen – vereinbarte Ziele zu erreichen.

Generation Z. Ticken die Mitarbeiter/-innen der Zukunft wirklich anders?

Ja – sie ticken anders – und das ist gut so. Denn die Berufswelt von heute und morgen verlangt genau das was die Generation bereit ist mit einzubringen: Sie wollen Spaß an der Arbeit und Spaß haben heißt für sie: Engagement und Leistungswille um Innovationen zu generieren oder voranzutreiben.

Welches sind die typischen Charakteristika der Generation Z und welche persönlichen Erfahrungen machen Sie im täglichen Miteinander?

Charakteristisch für die junge Generation ist der Wunsch zum Unternehmenserfolg beizutragen. Sie sind sehr engagiert und bringen gerne Höchstleistung, wenn diese wertgeschätzt werden.

Welche Erwartungen an die zukünftige Berufstätigkeit haben junge Menschen?

Die Jugendlichen fordern

  • anspruchsvolle Aufgaben,
  • Feedback zu ihren Leistungen und Entscheidungen,
  • die transparent und für sie nachvollziehbar sind.

Die meisten wachsen heute sehr „partnerschaftlich“ auf – diskutieren und hinterfragen Entscheidungen ihrer Eltern. Daher ist eine der größten Herausforderung für uns, sie in die Unternehmensstruktur zu integrieren, um hierarchische Gegebenheiten kennen zu lernen und ihren Sinn und die Funktionsweise zu verstehen.

Zwischen Tradition und Zukunft. Welche speziellen Herausforderungen gibt es im heutigen Ausbildungsmarketing zu meistern?

Marketingmaßnahmen müssen es schaffen die Jugendlichen für das Unternehmen und die Produkte zu begeistern.

Hochglanzbroschüren zu verteilen reicht nicht mehr
Durch soziale Netzwerke werden Informationen rasant verbreitet – authentische Kommunikation vor und vor allem in der Ausbildung ist die Marketingmaßnahme Nummer 1. Was unsere Auszubildenden außerhalb von Handtmann über uns erzählen ist für die Jungen das Wichtigste – alles andere ist weiterhin erforderlich aber nicht mehr ausschlaggebend. Alle Marketingmaßnahmen folgen der Anforderung, ein ehrliches Interesse an den jungen Menschen zum Ausdruck zu bringen.

Und nicht zu vergessen: Im Ausbildungsmarketing haben wir zwei Zielgruppen: Die Jugendlichen selbst und Ihre Eltern – laut unseren eigenen Umfragen immer noch die wichtigsten Berater im Berufsfindungsprozess der Jugendlichen. Und eine weitere Zielgruppe ist schon in den Startlöchern: die Großeltern spielen eine immer größere Rolle!

Drei Generation im Ausbildungsmarketing zu bedienen ist die größte Herausforderung überhaupt!

Sie haben eine außergewöhnliche Einstellung zum Thema Berufsorientierung und sehen diese als Servicedienstleistung. Wie kann man sich das in der Praxis vorstellen?

Während der Berufsorientierungsphase haben viele Jugendliche den ersten Kontakt überhaupt zur Berufswelt. Sie sind ungeübt im Umgang mit Unternehmenskulturen und Hierarchien. Dessen müssen wir uns als Unternehmensvertreter bewusst sein – vor allem in Hinblick auf die Auswirkungen, die unser Verhalten auf den künftigen Blick der Jugendlichen auf die Berufswelt haben könnte.

Jugendliche reflektieren das Verhalten des anderen nicht laufend – sie verfügen über keinen Erfahrungsschatz in diesem Bereich. Da kann bei nicht wertschätzendem Verhalten unter Umständen die Lust am Beruf schnell gegen Null tendieren.

Aus dieser Verantwortung heraus gestalten wir unsere Kontakte zu jungen Menschen: Vorsichtig und behutsam im Umgang. Fehler sind zulässig und gut. Und wenn jemand z.B. das Praktikum in dem gewählten Berufsfeld oder auch bei uns nicht gefällt ist dies ein wichtiger Baustein der Berufsfindung. Auch wenn der oder die Jugendliche sich dann nicht bei uns bewirbt, war unser Beitrag in der Berufsorientierung wichtig!

Die Jugendlichen spiegeln uns oft, dass der faire Umgang mit Ihnen sie sehr beeindruckt hat. Ihr Interesse an der Berufsorientierung stand im Vordergrund und nicht das Unternehmensinteresse.

Ausbildungsmarketing der Generation Z – was ist anders? 

Die Jugendlichen wachsen im digitalen Zeitalter auf. Wissen ist immer und überall verfügbar und neue Kommunikationskanäle eröffnen neue Möglichkeiten. Die Schwierigkeit ist, glaubwürdige Selbstinszenierungen von Fakes zu unterscheiden. Dies gelingt durch persönliche Kontakte die authentisch widerspiegeln, was auf allen Kanälen im Rahmen von Marketingmaßnahmen verbreitet wird.

Wenn wir als Unternehmen damit werben, dass Ausbildung einen hohen Stellenwert hat, dann sollten dies auch unsere Auszubildenden in der Freizeit so kommunizieren. So sind zum Beispiel auf allen unseren Marketingkampagnen durchgängig eigene Auszubildende zu sehen – egal ob auf dem Großflächenplakat, als Werbung für die Nacht der Ausbildung oder in der Zeitunganzeige auf einer Messe. Und auf Social Media Kanälen sowieso.

Sie setzen bei der Berufsfindung und Auswahl der richtigen Auszubildenden auch auf innovative Methoden, unter anderem auf Serious Games. Wie kam es dazu? 

Es wird oft kritisiert dass die junge Generation „Spaß haben“ als Begrifflichkeit inflationär verwendet. Wenn man genauer nachfragt heißt für sie „Spaß haben“ ihre Neigungen und Talente einzusetzen – welch tolle Voraussetzung wenn es gelingt, sie für ein Unternehmen zu begeistern! Im spielerischen Kontext Kontakte zu Unternehmen zu knüpfen heißt „Spaß haben“.

Warum Gamification?

Im spielerischen Kontext können wir Unbekanntes auszuprobieren ohne ernsthafte Konsequenzen befürchten zu müssen – die beste Voraussetzung um im Berufsfindungsprozess aktiv zu werden.

Wie passen Serious Games und Berufsorientierung zusammen?

Während der Berufsorientierungsphase muss unser Gehirn Unmengen von Synapsen bilden, um neue Inhalte verarbeiten und behalten zu können.

Unser Gehirn leistet diese Schwerstarbeit nur, wenn die Informationen

  • neuartig und
  • anders als erwartet,
  • bedeutsam und sinnvoll,
  • wichtig und glaubwürdig sind.

Und genau das geschieht wenn wir uns während der Berufsorientierung in den spielerischen Kontext begeben.

 

Sie vertreten die Meinung, dass man beim Spielen in einer Stunde einen Menschen so gut kennenlernen kann, wie in Gesprächen in einem Jahr. Wie ist das zu verstehen?

Im „Spielmodus“ sind wir nicht beeinflusst durch äußere Zwänge. Wir sind auf dem Weg der „Siegerstraße“. Wie wir auf diesem Weg interagieren, sagt viel darüber aus, wie wir mit uns selbst und mit anderen dabei umgehen. Hier fällt sprichwörtlich „die Maske“.

Sie sind gleichzeitig Autorin des Entwicklungsspiels Ludoki® Yount Talents. Wann und wie setzen Sie Ludoki® YT in Ihrem Unternehmen ein?

Young Talents ist fester Bestandteil jeder Praktikumswoche. Einen Vormittag wird gespielt  – meistens am letzten Tag des Praktikums.

Jedes Bewerbungstraining findet mit Young Talents statt. Alle Jugendlichen können sich aktiv beteiligen, anstatt sich bei Präsentationen anzuhören, was sie alles tun müssen oder nicht tun dürfen.

Welche Möglichkeiten eröffnen sich dadurch? 

Mit Young Talents können sich die Jugendlichen in realitätsnahen Simulationen praktisch selbst ausprobieren. Es gibt Freiraum für mutige Alternativen. Jugendliche können ihre Neigungen und Talente spielerisch erfahren und mögliche Berufswelten auf eine experimentelle Art und Weise erkunden.

Sie erleben den Prozess der Berufsfindung als positives „Dürfen“ und nicht als „langweiliges Müssen“. Das Training macht auch dann noch Spaß, wenn erkannt wird dass es noch viel zu lernen gibt.

Die Höchstzahl der Teilnehmer bei Veranstaltungen mit Young Talents ist 16-20, so dass eine individuelle Betreuung durch Ausbilder als Coach stattfinden kann – individuell, wertschätzend und mit „Bonusmaterial“ in Form von Tipps und Tricks.

Dadurch hat es eine nachhaltige Wirkung und diese überträgt sich auf das Unternehmen. Alle die bei Young Talents dabei waren bewerben sich auch bei uns und wir sind an oberster Stelle in der Rangliste für Ausbildungsplätze.

7 wertvolle Tipps die Sie anderen Unternehmen beim Azubi-Recruiting mit auf den Weg geben möchten. 

  1. Beschäftigen Sie sich intensiv mit den Bedürfnissen Ihrer Zielgruppen.
  2. Kommunizieren Sie auf Augenhöhe.
  3. Werbung allein funktioniert bei der jungen Generation nicht mehr – sie wird im übertragenen Sinne einfach „ausgeblendet“ oder „weggeklickt“
  4. Aufgrund der unterschiedlichen Zielgruppen ist ein Marketingmix weiterhin notwendig und sinnvoll.
  5. Authentizität hat Vorrang  – Alles was Sie auf verschiedenen Kanälen kommunizieren müssen Sie auch tun.
  6. Zeigen Sie Interesse an jungen Menschen unabhängig von Ihrer Eignung für Ihr Unternehmen – den richtigen Beruf zu finden steht im Vordergrund.
  7. Im Rahmen der Berufsfindung sind wir als Unternehmen Dienstleister der Jugendlichen.

 

FAZIT

Damit das nächste Projekt zum WOW-Erlebnis für alle Beteiligten wird:

  1. EINFACH AUSPROBIEREN
  2. MACHEN UND
  3. STETIG WEITERENTWICKELN

Weil Erfolg auch Spaß machen darf!

HERZLICHEN DANK!

Ein herzliches Dankeschön an Ruth Berg, die trotz Ihres vollen Kalenders und aktuell beginnenden neuen Ausbildungsjahres die Zeit für dieses Interview gefunden hat. Wir freuen uns, mit diesem Beitrag auch anderen Unternehmen und Unternehmern inspirierende Einblicke in außergewöhnliche Ideen und Best Practice zu ermöglichen, damit das kommende Azubi-Recruiting nicht nur mehr Freude, sondern auch mehr Erfolg bringt.

Das Interview führte: 

Bianca Traber

Brunnengasse 6 · D-78357 Mainwangen · Tel: +49 7775 938 59 08 · Mobil: +49 151 507 29 743 · Mail: info@diemehrwertfabrik.de  · Web: www.diemehrwertfabrik.de


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